Beate Uhse: Zehn überraschende Fakten zum 10. Todestag

Sie war die Aufklärerin der deutschen Nation und bezeichnete sich selbst als „Retterin von Millionen kaputter Ehen“. Denn entgegen aller Hindernisse ließ sich Beate Uhse nicht davon abhalten, ihre Landsleute über „sexuelle Hygiene“ und Verhütungsmethoden aufzuklären. Am 25. Oktober 1919 wird Beate Köstlin im ostpreußischen Wargenau geboren. Als jüngste Tochter eines Landwirts und einer Ärztin genießt Beate die beste Schulbildung und geht bereits als 16-Jährige für ein Jahr als Au-pair nach England, um dort die Sprache zu lernen.

Die Eltern sind - vor allem für die damalige Zeit - sehr liberal und klären ihre drei Kinder früh auf. Im Hause Köstlin spricht man offen - auch über Sex. Das es nicht überall so freizügig zugeht wie in ihrem Elternhaus, will Beate nicht hinnehmen und eröffnet 1962 den ersten Sex-Shop Deutschlands, der sich zu einem Erotik-Konzern mit gegenwärtig rund 50 Filialen entwickelt. Doch Beate Uhse, die am 16. Juli 2001 im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung starb, war nicht nur eine erfolgreiche Unternehmerin, sondern hatte auch noch ganz andere Qualitäten. Zehn Fakten über eine außergewöhnliche Frau:

Meisterin im Speerwurf
Nicht nur das Liebesleben der Nation, sondern auch die sportliche Ertüchtigung konnte Beate Uhse begeistern. Mit gerade einmal 15 Jahren, wurde sie hessische Landesmeisterin im Speerwerfen.

Pilotenschein mit 18
Schon als kleines Mädchen liebte Beate Uhse die Geschichte von Ikarus und seinem Traum vom Fliegen. Entgegen der damaligen Konventionen und den Willen ihrer Eltern machte sie im Alter von 18 Jahren tatsächlich den Pilotenschein. Später flog sie im Range eines Hauptmanns Jagd- und Kampfflugzeuge. Kurz vor ihrem 20. Geburtstag heiratete Beate im September 1939 ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse. Mit ihm bekam sie 1943 Sohn Klaus - nur ein Jahr später verünglückte Hans-Jürgen.

BIld: AP
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Deutschlands erste Stunt-Pilotin

Bevor sie die Welt mit der Eröffnung ihres ersten Sex-Shops schockte, machte Beate Uhse in den 1930er Jahren als erste und einzige Stunt-Pilotin der deutschen Filmgeschichte von sich reden. Dieser Job war damals für eine Frau noch ungewöhnlicher als der einer herkömmlichen Pilotin.

Lebensretter Flugzeug

Im Jahr 1945 entkam sie nur knapp den Angriffen der sowjetischen Truppen in Berlin. Im letzten Moment gelang es Beate Uhse, ihren Sohn, das Kindermädchen und sich selbst zu retten und flüchtete mit einem der letzten Flugzeuge aus dem Krisengebiet.

Erster Shop: „Fachgeschäft für Ehehygiene“
Der erste Sex-Shop, eröffnet im Jahr 1962 in Flensburg, trug den harmlos anmutenden Namen „Fachgeschäft für Ehehygiene“. Auf Anraten ihres Anwalts machte Beate Uhse den Laden zur Weihnachtszeit auf, da sich die Übergriffe empörter Bürger in Grenzen halten würden.

Verweigerung der Mitgliedschaft

Zwischen 1962 und 1992 wurden mehr als 2.000 Anzeigen gegen Beate Uhses Unternehmen eingereicht. Zudem weigerte sich der Flensburger Tennisclub wegen „allgemeiner Bedenken“, sie als Mitglied zu akzeptieren.

1989: Bundesverdienstkreuz

Nach jahrelangem Kampf gegen Feinde ihres freizügigen Umgangs mit Sex, erhielt die Erotik-Pionierin im Jahr 1989 eine späte Anerkennung ihrer Leistungen – das Bundesverdienstkreuz. Ihre Aufklärungsarbeit in Sachen sexuelle Hygiene und Verhütung machte sie zudem im Jahr 1999 zur Ehrenbürgerin der Stadt Flensburg.

Tauchschein mit 75

Im fortgeschrittenen Alter machte Beate Uhse noch ihren Tauchschein – auf den Malediven. Ein weiteres Hobby: Golf spielen. Hin und wieder setzte sich die Seniorin sogar noch an den Steuerknüppel ihres kleinen Privatflugzeuges.

Frauen und Technik

Die wichtigste technische Erfindung? Wenn es nach Beate Uhse geht, war und ist der Batterie betriebene Vibrator. Und das tat sie auch gerne und offen kund. Das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung lag Frau Uhse eben sehr am Herzen.

Vibratoren und der Fußball
Auch nach dem Tod der Gründerin wird immer wieder Anzeige gegen den Flensburger Erotik-Konzern erstattet – zum Beispiel von Oli Kahn und Michael Ballack. Das Unternehmen hatte über eine Tochterfirma zur Fußball-WM 2010 Vibrator-Modelle mit den Aufschriften „Michael B.“ und „Olli Kahn“ angeboten. Die beiden Kicker fanden das gar nicht lustig und wehrten sich. Von Seiten der Frauen-Nationalmannschaft, die vor dem WM-Auftakt gegen Nigeria mit Beate-Uhse-Vibtratoren versorgt wurden, gab es bisher hingegen keine Beschwerden.

Verkehrte Welt: Männer wollen kuscheln, Frauen Sex